«Ich wende mich an Euch, um meiner grossen Sorge Ausdruck zu verleihen»

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Schrei

Ich wende mich an Euch, um meiner grossen Sorge über die zunehmende Verschärfung der administrativen und gesetzlichen Massnahmen gegenüber migrantischen Menschen Ausdruck zu verleihen.

 

Die Zunahme von Inhaftierungen, Kriminalisierung und Ausschaffungen widerspricht den Werten von Menschlichkeit und Würde, die unsere Gesellschaft verteidigen sollte.

 

Migration ist eine menschliche und gesellschaftliche Realität. Sie darf nicht ausschliesslich unter dem Blickwinkel von Kontrolle und Repression behandelt werden.

 

Der Zugang zu grundlegenden Rechten – insbesondere zu Gesundheitsversorgung, Bildung, Arbeit und einem fairen Rechtsschutz – muss für jeden Menschen gewährleistet sein, unabhängig vom Aufenthaltsstatus.

 

Deshalb schliesse ich mich den Stimmen der Zivilgesellschaft an und fordere die Behörden mit Nachdruck auf:

 

Zwangsausschaffungen zu stoppen und Ausschaffungsgefängnisse zu schliessen – zugunsten würdiger Massnahmen, die Regularisierung und Integration ermöglichen.

 

Einen effektiven Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung und Arbeit zu gewährleisten, damit alle Menschen, die hier sind, unter menschenwürdigen Bedingungen leben können.

 

Die universellen Menschenrechte konsequent zu respektieren und die rechtliche und soziale Beratung und Unterstützung auszubauen.

 

Unsere Gesellschaft zeigt ihre Stärke, wenn sie sich für Solidarität, Teilhabe und die Achtung der menschlichen Würde entscheidet.

 

Heute denken wir auch an Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus – an Sans-Papiers. Als Sans-Papiers werden Menschen bezeichnet, die sich in einem Land aufhalten, ohne über eine gültige Aufenthaltsbewilligung zu verfügen.

 

Es sind Menschen, die oft nur so tun können, als würden sie wirklich leben. Menschen, die den Kopf einziehen müssen, um ihren Alltag zu bewältigen. Menschen, die heimlich weinen und ständig mit der Angst leben, in ein Land ausgeschafft zu werden, in dem sie Unsicherheit, häusliche Gewalt oder sexualisierte Gewalt erlebt haben – oder in dem ihnen das Recht verwehrt wird, mit einem Menschen desselben Geschlechts als Paar zu leben.

 

Unter ihnen sind besonders verletzliche Menschen, die nur eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung, zu Schutzangeboten für Gewaltbetroffene oder zu rechtlicher Unterstützung haben.

 

Wir sind heute hier, um daran zu erinnern: Man heilt nicht dort, wo man verletzt wurde.

 

Und wir sind hier, um eines klar zu sagen: Ein Aufenthaltsstatus kann illegalisiert sein – aber kein Mensch ist illegal!

 

Ich zähle auf Euer Engagement, diese Forderungen in die Institutionen zu tragen und dafür zu sorgen, dass politische Entscheidungen diesen grundlegenden Prinzipien gerecht werden.

 

Vielen Dank.